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Montag, 8. August 2011

Welche Qualität hat Qualität?

Die aktuelle Auseinandersetzung mit der Frage, woran sich Qualität im E-Learning-Bereich festmachen lässt, hat mich in der Tat sehr zum Nachdenken angeregt.
Im Studienbrief wird die lernende Person als wichtiger Faktor benannt, die durch ihren Umgang mit den Lernangeboten die Qualität des Lernergebnisses maßgeblich mitbestimmt.
Ich persönlich jedoch bin der Meinung, dass ein solch unberechenbarer Faktor nur allzu leicht als Ausrede herangezogen werden kann, um zur Qualität eines Lernangebotes nicht eindeutig Stellung beziehen zu müssen.


Das führt mich zu der Frage, ob und wie die Qualität eines Lernangebotes bis zu dem Punkt definiert werden kann, an dem der Lerner dieses zu nutzen beginnt. Es würde sich dann nicht um die Definition der Qualität des Lernergebnisses handeln sondern um jene des konzipierten Lernangebotes - und genau darum geht es doch aus der Sicht eines Educational-Media-Experten, oder nicht?
Schließlich kann ja ein sehr kompetenter, engagierter Lerner trotz eines qualitativ schlechten Lernangebotes zu einem guten Lernergebnis kommen. Diesen Lernerfolg aufgrund der Messung der Qualität des Lernergebnisses dem Lernangebot zuzuschreiben, wäre ein Schmücken mit fremden Federn.

Für mich kristalisiert sich also ein Verständnis von Qualität im E-Learning-Bereich heraus, welches das Lernangebot ohne Berücksichtigung des Konsums durch den Lerner in den Mittelpunkt rückt. Hierfür gilt es nun Kriterien zu finden, die den Lerner durchaus nicht unberücksichtigt lassen. Hinsichtlich der Qualität würde ich z.B. fragen:
  • Wurde ein konkretes Lernziel definiert?
  • Ermöglicht das Lernangebot prinzipiell das Erreichen des Lernzieles?
  • Wurden die Merkmale der Zielgruppe berücksichtigt? (Da ist er, der Lerner!)
  • Kann das Lernangebot auf ggf. abweichende Anforderungen Lernender reagieren? (Da ist er schon wieder!)
  • Gibt es vorher definierte Feedback-Schleifen, Hilfe-Routinen, etc.?
  • Wird das Lernangebot regelmäßig auf inhaltliche Aktualität und Richtigkeit überprüft?
  • Wurde das Lernangebot von unabhängigen, anerkannten Experten begutachtet und für gut befunden?
  • etc.

All solche Fragen müssten sich prospektiv bereits beantworten lassen, bevor sich Lernende damit befasst haben. Würde man hieraus eine Art Qualitäts-Checkliste formulieren, ergäbe sich eine brauchbare Messlatte. Diese kann dann anschließend durch eine Teilnehmer-Evaluation ergänzt werden, so dass die Vorab-Messung hierdurch verifiziert werden kann oder sich Verbesserungsbedarfe offenbaren.

Vergleiche ich diese Sichtweise mit dem Qualitätsbegriff, den ich aus meiner therapeutischen Arbeit als Logopäde kenne, entdecke ich eine ähnliche Problematik: Qualität einer Therapie wird leider allzuoft an der Zufriedenheit eines Patienten festgemacht. Diese kann aber trotz einer schlechten Therapie sehr hoch sein, da z.B. immer aktuelle Zeitschriften im Wartezimmer liegen, ein Kaffee gereicht wird und die Gespräche immer so nett sind. Im Gegenzug kann eine erfolgreiche Therapie vom Patienten negativ bewertet werden, da seine subjektive Sicht auf die Erfolge grundlegend anders sein kann.

Auch hier stellt sich also die Frage: Welcher Gegenstand wird unter qualitativen Gesichtspunkten betrachtet?

Die mir vertraute Gliederung in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität habe ich bereits als sehr hilfeich erleben können, um Abläufe zu standardisieren und so planbar zu machen und zu wissen, welches Ergebnis ich bei Nutzung entsprechender Strukturen und Prozesse erwarten kann. Jedoch beinhaltet dies auch eine Festlegung auf Abläufe, die gerade in Lehr-/Lernkontexten wertvolle Flexibilität verhindern würde. Auch hier wäre meiner Meinung nach also abzugrenzen, bis wohin solche Rahmen gelten können und ab welchem Punkt Qualität dadurch gesichert werden muss, dass man Lehrenden und Lernenden Flexibilität und Freiheit zugesteht.

Fazit:
„Prüfet alles, und das Beste behaltet.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

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