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Montag, 24. Oktober 2011

Die Erlebnisgesellschaft und ich...

Die Frage nach dem Stellenwert von Medien in der Erlebnisgesellschaft führt zunächst zu der Frage meiner eigenen Position in der Erlebnisgesellschaft. Hierzu bin ich aufgefordert, folgende Fragen zur Reflexion zu beantworten:


Frage: Welchem der von Schulze beschriebenen Milieus würden Sie sich zuordnen? Ist diese Zordnung klar, oder stehen Sie irgendwie auch dazwischen?

Antwort: Am ehesten ordne ich mich dem Selbstverwirklichungsmilieu zu, wobei auch Aspekte des Integrationsmilieus auf mich zutreffen. Tatsächlich würde ich mich irgendwo dazwischen einordnen mit einer leichten Tendenz zum Selbstverwirklichungsmilieu.

Frage: Wenn Schulze den „Zwang zum Wählen“ beschreibt, dann wäre zu fragen, ob Ihnen bei sich selbst bestimmte Muster auffallen.

Antwort: Ich würde meine Lebenssituation nicht mit dem Wort "Überfluss" beschreiben, aber dennoch habe ich allzuoft die Möglichkeit, zu wählen. Mir fällt allerdings auf, dass ich von dieser Möglichkeit nicht immer Gebrauch mache bzw. meine Wahl fremdsteuern lasse. So äußere ich z.B. nicht selten, dass doch ein gutes Buch dem oft unzureichenden Fernsehprogramm vorzuziehen sei. Besonders während diverser Urlaube, wo man den Abend natürlich mit einem Buch und einer Flasche Wein auf der Terrasse verbringt, ist die Überlegenheit des Buches unbestritten. Im Alltag jedoch "wähle" ich dann doch oftmals die Berieselung durch das schlechte Fernsehprogramm, da dies ja soviel einfacher ist und z.T. in festen Ritualen abläuft (ich sitze halt oft um 20:00 Uhr vorm Fernseher, um die Tagesschau zu sehen...).

Bei meiner Tochter durfte ich jüngst erleben, wie lähmend der Zwang zur Wahl sein kann. Sie war in einem Kinderzimmer voller Spielzeug (Lego, Playmobil, Puppenhaus, Autos, Kuscheltiere, Bausteine, Malsachen, Puzzle, Brettspiele, ...) nicht in der Lage, sich selbst zu beschäftigen. Erst als meine Frau und ich einen Teil dieses "Überflusses" beseitigt hatten, kam meine Tochter selbst auf Ideen, was sie spielen könnte.

Ein weiteres Erlebnis hatte ich nach der Geburt meiner 2. Tochter, als mein Arbeitszimmer dem Kinderzimmer weichen musste. Es galt nun, sich bei der Ausstattung des Arbeitszimmers auf das Wesentliche zu beschränken und alle Dinge, die sich aus dem Luxus heraus angesammelt hatten, zu entsorgen. Nach einer ersten Berührungsangst mit einer solchen "Reinigungsaktion" entdeckte ich den geradezu befreienden Charakter der Reduktion. In geradezu asketischer Manie klassifizierte ich alle Gegenstände in "verzichtbar" und "unverzichtbar" und suchte gar für die unverzichtbaren Dinge noch sparsamere Lösungen. So wurde z.B. aus dem Desktop-PC mit allerlei Peripherie ein kompaktes aber leistungsstarkes Notebook...
Fazit: ich habe den Purismus für mich entdeckt!

Frage: Wenn Sie sich einem bestimmten Lebensstil zuordnen müssten, wie würden Sie diesen benennen?

Antwort: Diese Frage hat mich arg ins Grübeln und Nachforschen gestürzt. Da es nicht um die Beschreibung sondern um die Benennung des eigenen Lebensstils gehen soll, stand ich vor dem Versuch, einen passenden Begriff zu finden. Hilfreich fand ich dabei folgende Grafik:


Auf dieser Karte würde ich mich im Bereich der "Behaglichen" und der "Kritischen" einordnen. Ich halte mich durchaus für einen Realisten, also an der Wirklichkeit orientiert und mit einem puristischen Qualitätsbedürfnis. Andererseits tendiere ich durchaus zur fortwährenden Veränderung und zum leidenschaftlichen Leben, jedoch nicht im Sinne von verschwenderischer Genusssucht.

Fazit:
Mir wurde bewusst, dass ich sehrwohl den Einflüssen der Erlebnisgesellschaft ausgesetzt bin und mich auch z.T. davon lenken lasse. Jedoch stelle ich an mir auch ein sehr waches Bedürfnis nach bewusster Lebensführung fest, was einerseits in einer schwachen Ausprägung von Purismus mündet und andererseits durchaus auch die Inanspruchnahme von Vergnügungsangeboten beinhaltet.
In jedem Falle ist für diese bewusste Lebensführung ein interlektueller Hintergrund von Vorteil, da aus meienr Sicht eine gehörige Portion Selbsterkenntnis und Selbstreflexion notwendig ist.

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