Was für eine Lernaufgabe: "Spielen Sie!"
Ist doch easy, dachte ich da als echter eZlearner... doch ein Unterschied zwischen Serious Games und anderen Spielen scheint zu sein, dass sie nicht immer easy sind!
Nach einiger Suche entschied ich mich für das Online-Spiel "Ars Regendi".
Das Spiel lockt mit folgender Empfangsseite (bitte zum Vergrößern jeweils auf das Bild klicken):
"Lehrreich, spannend und unterhaltsam"? So soll eine Lernaufgabe doch sein, oder? Dieses Spiel ist jedoch durchaus recht komplex aufgebaut, so dass man sich als Lerner zunächst ein Weilchen einarbeiten muss, um die Regeln zu verstehen. Hierfür steht eine Anleitung zur Verfügung, die jedoch nicht die Fülle, die einem an Spieloptionen begegnet, auffangen kann.
Positiv ist auf den ersten Blick die Prävention einer drohenden Spielsucht: als kostenloser Nutzer kann man pro Tag immer nur einige wenige Spielzüge machen.
Spielzüge bestehen z.B. darin, Entscheidungen zu treffen. Wie in der echten Politik auch, führen diese zu Konsequenzen. Diese sind z.T. erwünscht, manchmal aber auch unerwünscht. Grundlage für die Entscheidung ist jeweils die zu lösende Problemstellung (z.B.: es gibt zu wenig Spenderorgane, weil zu wenig Menschen einen Organspenderausweis bei sich tragen) sowie einige Statements aus verschiedenen Lagern, i.d.R. Pro, Contra und ein bis zwei Varianten davon. Zudem kann man sich auch entscheiden, alles so zu lassen wie es ist.
Folgender Screenshot zeigt die Übersicht von Aufgaben sowie die Konsequenzen früherer Entscheidungen:
Bei der Lösung dieser Aufgaben begegnete mir nun erstmals der Lerncharakter des Spiels: um eine Entscheidung zu treffen, muss ich mich mit den Meinungen der verschiedenen Lager auseinandersetzen und mir eine eigene Meinung bilden. Die Statements enthalten stets eine Fülle von Informationen, welche in eine Entscheidung einfließen können. Ich bin also "genötigt", Informationen zu sammeln, auszuwerten und mich dann festzulegen und erhalte anschließend eine Art Feedback, indem ich sehe, wie sich die Enscheidung auswirkt. Ich persönlich habe mich tatsächlich mit einigen politischen Fragen erstmals aktiv auseinander gesetzt...
Ein weiterer Bereich des Spiels sind Haushaltsentscheidungen, welche sich mir jedoch nicht sofort erschlossen. Man erhält die Möglichkeit, diverse Parameter des Haushalts zu verändern, erkennt aber nicht auf Anhieb, was daraus folgt (siehe Screenshot).
Hier müsste man sich vermutlich ausführlich mit den verschiedenen Auswirkungen befassen, was z.B. in einer Unterrichtsreihe zum Thema "Politik" oder "Wirtschaft" die Intention des Lehrers sein könnte. Hier kann ich mir einen großen Lerneffekt für Schüler vorstellen, da so Begrifflichkeiten erarbeitet werden und Zusammenhänge deutlich werden.
Für mich als "Spiel-Tester" war dieser Aufwand zu groß.
Alle Aktivitäten führen zu einem Gesamtergebnis, z.B. einer Bilanz über die Zufriedenheit der Bewohner meines Staates bzw. eine Klassifizierung:
Erspielte Werte wie Macht etc. können nun im Rahmen von Bündnissen eine Rolle spielen, die man mit anderen Staaten (also mit anderen Spielern) eingehen kann. Hier entsteht nun ein sozialer Charakter des Spiels, denn sobald ich diese Möglichkeit nutze, muss ich mit anderen Spielern interagieren. Damit entsteht Wissenskommunikation und eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie und es kommt der motivierende Aspekt eines Wettstreites hinzu. All dies sind Aspekte, die dem Lernen zuträglich sind.
Fazit:
Das Serious Game "Ars Regendi" bietet Lerninhalte zu Politik und Wirtschaft auf anspruchsvollem Niveau an. Ist ein Lernerfolg in diesen Themengebieten intendiert, halte ich es für sehr gut einsetzbar, zumal wenig ablenkende Elemente in dem Spiel enthalten sind. Die Handhabung der Oberfläche hat stets den inhaltlichen Aspekt im Mittelpunkt.
Die Handhabung des Spiels müsste in einem Lernszenario durch die Lehrperson gründlich vorbereitet werden, Lernende benötigen entsprechende Instruktionen.
Der Lerninhalt ist innerhalb des Spieles Mittel zum Zweck, um Werte zu gewinnen und damit im Wettbewerb zu bestehen. Er nimmt sehr großen Raum ein.
Es bestehen Möglichkeiten der Kommunikation, Einzel- und Gruppenarbeit.
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